Die Achillessehne schützen

Dez. 2024

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Im vorherigen Text habe ich über das Krankheitsbild der „Achillodynie“, also der Beschwerden und Schmerzzustände an der Achillessehne, unserer stärksten Sehne am Körper, gesprochen. In meiner täglichen orthopädischen Arbeit ist dies eine doch häufiger auftretende, typisch sportorthopädische Problematik.

Gerade bei Sportarten mit sogenannten „Stop-and-Go“-Belastungen, die abrupte und repetitive Beschleunigungen und Richtungswechsel enthalten, treten besonders gehäuft Probleme mit der Achillessehne auf. Körpereigene Faktoren wie muskuläre Dysbalancen, Fußfehlstellungen und auch Übergewicht sind ebenso verantwortlich wie äußere Faktoren: Dazu gehören ein verändertes Abrollverhalten des Fußes bei nicht adäquaten Laufschuhen, Veränderungen von Trainingsintensität bzw. Trainingsumfang und möglicherweise auch zu schnell gesteigerte körperliche Belastung ohne ausreichende Erholung.

Training animiert den Körper zur Anpassung

Denn körperliches Training heißt, spezifische Reize zu setzen, um den Körper zur Anpassung und damit zum Aufbau einer höheren Leistungsfähigkeit zu animieren. Dabei werden dem Körper auf verschiedenen Ebenen kleine „Verletzungen“ zugefügt, die dann unproblematisch ausheilen – wir kennen das von dem ein oder anderen Muskelkater. Dem Körper wird so langsam aber sicher die Möglichkeit gegeben, sich auf ein neues Leistungsniveau zu heben. Diese körperliche „Anpassung“ passiert in den von uns gewählten Belastungspausen und nicht während des belastenden Trainings.

Diese wichtigen regenerativen Pausen hängen natürlich von mehreren Faktoren ab. Besonders entscheidend hierbei sind der allgemeine Trainingszustand, die Ernährung und der Schlaf, aber auch das Alter und die nicht zu unterschätzende mentale Frische. Das heißt, grundsätzlich sollte man, vor allem, wenn man nach einer längeren Pause wieder sportliche Ambitionen hat, unbedingt den Faktor der Erholung miteinkalkulieren. Dann lieber etwas länger pausieren – mindestens 48 Stunden – und so dem Körper die Chance geben, dass er sich nicht nur erholen kann, sondern sogar noch etwas oben draufsetzen. Wichtiger für den allgemeinen Trainingserfolg ist die Regelmäßigkeit des Trainings, nicht unbedingt die Intensität oder der Umfang. Also einfach stur dranbleiben.

Bei Beschwerden: Nicht abwarten!

Grundsätzlich neigen die meisten von uns dazu, bei Beschwerden erst einmal abzuwarten. Ich denke auch, dass man sich bei den meisten kleineren orthopädischen Beschwerden gerne drei bis fünf Tage Zeit lassen kann. Vieles erledigt sich mit sanfter Bewegung oder Schonung wieder von selbst. Sollte man aber z.B. schon beim Aufstehen An- oder Einlaufschmerzen im Bereich der Achillessehne verspüren, ist eine sofortige ärztliche Untersuchung dringend anzuraten.

In der ärztlichen Konsultation sollte zunächst die individuellen und oben beschriebenen Risikofaktoren beurteilt und dann im weiteren Verlauf der Behandlung abgestellt werden. Ein ganzheitlich funktioneller Ansatz in der Behandlung der Muskelkettenfunktion „Becken-Bein-Fuß“ scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen. Also: Nicht nur die lokale Reiz- und Schmerzminderung spielt bei der Therapie eine Rolle, sei es z.B. mit Kältebehandlungen, Ultraschall oder Stoßwellen – ganz wichtig ist auch die ergänzende, vornehmlich manualtherapeutische Behandlung aller zusammenarbeitenden Muskelgruppen und Gelenke. In abklingenden Reizphasen ist hier auch ein regelmäßiges Training der Wadenmuskulatur zur Unterstützung der Stoffwechselbedingungen für die Sehne von wichtiger Bedeutung.

[Dieser Text erschien erstmalig in der Dezemberausgabe 2024 des Stadtmagazins acht.neun.]