Der liebe Horst Schlämmer, stellvertretender Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts, hätte vielleicht auch mit diesem Satz berühmt werden können, denn von allen möglichen Gelenkbeschwerden sind die Schmerzen am und ums Kniegelenk die häufigsten.
Wir wollen uns heute aber nicht mit der landläufig bekannten Verschleißerkrankung „Arthrose des Kniegelenks“, der sogenannten „Gonarthrose“, beschäftigen, obwohl sie weltweit betrachtet am häufigsten vorkommt.
Immer wieder kommen – häufig jüngere und auch sportliche – Patienten in die Sprechstunde und berichten von teils diffusen, aber auch stechende Schmerzen im Kniegelenk, ohne sich dabei an eine besondere Überlastung des Kniegelenks oder gar an einen spezifischen Verletzungsmechanismus erinnern zu können. Auch eine möglicherweise im Verlauf der Diagnose bereits durchgeführte Röntgenaufnahme oder MRT-Untersuchung konnte die Beschwerdeproblematik nicht eindeutig erklären.
Nun was tun?
Natürlich sollte man zunächst zu einem Arzt gehen, der sich Zeit nimmt und aufmerksam zuhört und einen im Anschluss nicht gleich zum Röntgen schickt, sondern als Allererstes eine ausführliche orthopädische Untersuchung des Bewegungsapparates durchführt. Danach erklärt der Arzt dem Patienten – gerne auch ohne Röntgenbild –, warum sich der sogenannte „vordere Knieschmerz“ als eines der häufigsten Beschwerdebilder in der Sportmedizin darstellt.
Der typische Patient dieser Beschwerden ist, wie erwähnt, ein sportlich aktiver, junger Erwachsener, häufig aus Laufoder Sprungsportarten, der über diffuse Schmerzen unter der Kniescheibe oder an der Kniescheibenspitze klagt. Die Beschwerden nehmen bei höheren Kniebelastungen, etwa beim Treppensteigen oder Springen, zu; manchmal auch schon nach
längerer Beugehaltung des Knies im Sitzen.
Das Knie ist am Bein Teil einer Bewegungskette und fungiert biomechanisch als Struktur der Kraftübertragung zwischen der Hüfte und dem Fußgelenk der jeweiligen Seite. Schmerzen im Kniegelenk entstehen dann tatsächlich aufgrund eines Missverhältnisses von Belastung und Belastbarkeit. Das Kniegelenk ist dabei selten die primäre Ursache, sondern einfach nur der Ort, an dem die Beschwerden eben wahrgenommen werden.
Und jetzt?
Deshalb ist es wichtig, zunächst eine muskuläre Schwäche oder muskuläre Dysbalance in der Becken-Hüftmuskulatur abzuklären sowie die Beweglichkeit in der Sprunggelenks- und Vorfußregion zu beurteilen. Jetzt ist der Sport- und Physiotherapeut an der Reihe, mit dem Patienten entsprechende Übungen zur Kräftigung der Glutealmuskulatur (Po-Muskulatur) und zur Stabilisierung der Beinachse mit Optimierung der Fußfunktion durchzuführen. Ziel ist ganz allgemein die Erhöhung der Belastungstoleranz in der Bewegungskette Becken-Knie-Fußgelenk und gleichzeitig die Optimierung der Bewegungskontrolle mit (neuro-)muskulärer Stabilisierung.
Jetzt ist auch klar, warum häufig auf dem Röntgenbild oder MRT – Gottseidank – nichts Wesentliches zu sehen ist. Funktionsdefizite und muskuläre Dysbalancen lassen sich nun mal nicht bildhaft darstellen, sondern müssen einfach ausführlich und sorgfältig vom Arzt oder Therapeuten getestet werden. Röntgen, MRT oder aufwendige Therapien dürfen da gerne erst an der zweiten oder dritten Stelle kommen.
