Achillesferse: Das steht für Schwachpunkt, Schwachstelle, wunder Punkt oder Angriffsfläche. Die Göttin Thetis taucht ihren sterblichen Sohn in den Fluss Styx, um ihn zumindest unverwundbar zu machen. Beim Eintauchen hält sie ihn an der Ferse und benetzt damit die Ferse nicht mit dem schützenden Wasser. Hier bleibt Achilles verwundbar und wird im Verlauf des Trojanischen Krieges schließlich vom gelenkten Pfeil des zürnenden Gottes Apollo an der Ferse getroffen und stirbt.
In unserer weitgehend entmythologisierten Zeit ist die Achillessehne nicht die einzige verwundbare Stelle am Körper und glücklicherweise muss man heute auch nicht mehr an einer Achillessehnenverletzung sterben. Dennoch scheint die Achillessehne, als stärkste Sehne im menschlichen Körper, eine ganz besondere funktionelle Bedeutung zu haben.
Häufigste Verletzungen in der Orthopädie
Achillessehnenbeschwerden zählen zu den häufigsten Verletzungen im Bereich der Sporttraumatologie und Orthopädie. In der Fachliteratur wird das Auftreten von Achillessehnenbeschwerden bei Laufsporttreibenden mit einer Häufigkeit von ungefähr zehn Prozent angegeben. Auch bei anderen Sportarten, wie Fußball oder Tennis, treten stark gehäuft Probleme mit der Achillessehne auf. Angesichts der enormen Bedeutung von Achillessehnenbeschwerden ist es umso bemerkenswerter, dass trotz unterschiedlichster Bemühungen gerade in den letzten Jahren die wesentlichen Ursachen sowie die funktionellen und biochemischen Veränderungen der Sehnenbeschwerden noch nicht endgültig geklärt werden konnten. Wie ist die Sehne aufgebaut, welche Aufgabe hat sie und wo ist ihre Schwachstelle?
Die Achillessehne stellt die Verbindung zwischen drei Muskeln, die die Wade bilden, und dem Fersenbein dar. Die Sehne ist zirka 20 bis 25 cm lang und besteht aus drei großen Bündeln, die einer Belastung von bis zu 800 kg standhalten kann. Bei einem einstündigen Handballspiel geht man von Gesamtbelastungen auf die Sehne von bis zu 4500 Tonnen aus. Die Hauptaufgabe der Sehne ist die Kraftübertragung der Wadenmuskulatur auf Ferse und Fuß. Dadurch ermöglicht sie beim Gehen und Springen vor allem den kraftvollen Abstoß des Fußes. Um die Sehne verläuft eine dünne Membran, die als Gleitschicht zum umliegenden Gewebe dient und mit ihrem Gefäßsystem die Sehne im Wesentlichen ernährt. In der Sehne selbst findet man nur winzige Gefäße. Dieses Phänomen ist bei Laufsportlerinnen und Laufsportlern besonders relevant, da unter muskulärer Aktivität die Blutversorgung der Achillessehne bis zum siebenfachen ansteigen kann – aber eben nicht überall in der Sehne gleichermaßen.
Innere und äußere Faktoren
Vor allem der Bereich ein paar Zentimeter oberhalb des Ansatzes am Fersenbein ist am geringsten durchblutet. Hier ist auch die „mid-portion“-Region mit den häufigsten Beschwerden. Es gibt im Wesentlichen zwei Faktorengruppen, die für die Achillesbeschwerden verantwortlich sind. Innere Faktoren wie z.B. Fußfehlstellungen, Übergewicht, muskuläre Dysbalance – vor allem in der Becken-Hüftregion und dadurch resultierende Beinlängendifferenzen und erhöhte Muskelspannungen im Bereich des Oberschenkels und der Wade.
Äußere Faktoren sind z. B. insuffiziente Schuhe mit falschem Abrollverhalten, veränderte Bodenbeschaffenheiten mit unterschiedlichen Fußbelastungen, aber auch inadäquate Trainingsintensitäten und zu wenig Regeneration zwischen den Belastungen. Einzeln oder gemeinsam führen sie zu Minderdurchblutungen und damit reduzierter Nährstoffversorgung, mechanischen Mikroverletzungen und degenerativen Veränderungen in der Sehne mit Verlust der Elastizität.
Bei Beschwerden zum Spezialisten
Bei Beschwerden sollte man nicht lange warten mit der Vorstellung beim Spezialisten, der, noch bevor aufwendige Behandlungen eingeleitet werden, vor allem zunächst mal die Risikofaktoren abstellen sollte.
[Dieser Text erschien erstmalig in der Novemberausgabe 2025 des Stadtmagazins acht.neun.]
